Fraktion der SPD im Stadtrat Freiberg
An Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm
Freiberg, den 23.11.2010
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
als Anlage überreiche ich Ihnen im Namen unserer Fraktion den Antrag, Herrn Kirchenmusikdirektor i.R. Wagler mit der Ehrenmedaille der Stadt Freiberg auszuzeichnen. Das geschieht im bewussten Vorgriff auf die noch ausstehenden relevanten Beschlüsse, weil aus unserer Sicht Herr Wagler angesichts seiner unstrittigen Verdienste unbedingt zu den ersten Empfängern der neu geschaffenen Auszeichnung gehören sollte.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Arnd Böttcher
(per Email)

SPD-Fraktion im Stadtrat Freiberg
Antrag zur Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Freiberg
an Herrn Kirchenmusikdirektor i.R. Dietrich Wagler

Die Ehrenmedaille der Stadt Freiberg kann an Personen verliehen werden, die sich besondere Verdienste im gesellschaftlichen Leben der Stadt erworben haben. Die Fraktion der SPD im Stadtrat Freiberg schlägt für diese Ehrung Herrn Dietrich Wagler, Kirchenmusikdirektor i.R. vor und begründet diesen Vorschlag folgendermaßen: Herr Dietrich Wagler, geboren 1940 in Mildenau, erhielt seine musikalische Ausbildung an den Kirchenmusikschulen in Dresden und Halle sowie an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar. Seine Lehrer in Weimar waren die weit über die Grenzen Weimars hinaus bekannten Organisten Johannes-Ernst Köhler (insbesondere für Improvisation) und Karl Rainer Böhme. 1974 gewann Herr Wagler den Improvisationswettbewerb der „Thüringer Bachtage“. Nach seiner ersten kirchenmusikalischen Anstellung in Drebach/Erzgebirge war er von 1976 bis 1986 als Kantor und Organist an der evangelisch-lutherischen Georgenkirche (mit Silbermannorgel von 1730) in Glauchau tätig. 1985 wählte man ihn in der Nachfolge Hans Ottos als Kantor, Organist und Kirchenmusikdirektor am Dom nach Freiberg, ein Amt, das er von April 1986 bis zum Jahresende 2001 innehatte. Die besonderen Möglichkeiten, die der Freiberger Dom insbesondere mit der Großen Silbermannorgel bietet, wusste Herr Wagler mit beachtenswertem Engagement zu nutzen, um Freiberg als Zentrum der barocken Orgelmusik im mitteldeutschen Raum zu etablieren. Allein die Durchführung der wöchentlichen Orgelmusiken von Mai bis Oktober, als traditionelle Abendmusiken im Dom seit 1939 weithin bekannt, nötigt Hochachtung ab. In seiner Amtszeit fanden rund 400 Abendmusiken statt. Das Gesamt-Programm der Orgelmusiken wurde von ihm mit hohen künstlerischen Ansprüchen konzipiert, was auch die Vielseitigkeit seines musikalischen Verständnisses demonstriert. Besonders hervorzuheben ist, dass es ihm gelang, auf Grund seines beachtlichen nationalen und internationalen Renommees und der daraus sich ergebenden künstlerischen Kontakte viele bekannte Organisten des In- und Auslandes für diese Konzerte zu verpflichten. Diese traditionelle Konzertreihe ist ein Markenzeichen der Stadt und aus dem reichen Musikleben Freibergs kaum mehr wegzudenken. Zahlreiche Besucher der Stadt fragen bewusst diese Konzerte nach. Höhepunkte des Freiberger Musiklebens stellten (und stellen) die jährlichen zwei bis drei großen Domkonzerte in Verantwortung des Domkantors und unter Mitwirkung des von ihm geführten Domchores und der Domkurrende dar, in denen z.B. Oratorien, Messen, Requien u.a.m. dargeboten wurden. Auch sie festigten den guten Ruf Freibergs als bedeutsames Musikzentrum im Herzen Sachsens. Dass diesen Aufführungen eine außerordentlich intensive Probenarbeit mit dem von Wagler geleiteten Chören voranging, versteht sich von selbst. In seiner Amtszeit und darüber hinaus bis heute bereichert er das kulturelle Angebot der Stadt durch zahlreiche Orgelvorspiele (inzwischen ca. 4.000) im Rahmen von Domführungen, womit er auch in erheblichem Maße zur Popularisierung der Freiberger Silbermann-Orgeln beiträgt und den Kulturtourismus fördert. Auch das Angebot „Orgel spezial“ (spezielle ca. einstündige Orgelvorführungen der beiden Silbermannorgeln im Dom) geht auf seine Initiative zurück. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeiten stand ohne Zweifel die Pflege des Silbermannschen Erbes. Als im Jahr 1990 die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e.V. ins Leben gerufen wurde (er war Gründungsmitglied), übernahm er die Aufgabe des Vizepräsidenten und nach dem Tode von Hans Otto im Jahre 1996 die ebenfalls ehrenamtliche Funktion des Präsidenten der Gesellschaft. Die künstlerische Entwicklung, die die regelmäßig stattfindenden Silbermann-Tage (es gibt sie seit 1978 und seit 1986 unter Mitarbeit Herrn Waglers) und vor allem der von der Silbermann-Gesellschaft seit 1993 zweijährlich veranstaltete Internationale Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb genommen haben, wurden von ihm, seit 1997 Leiter der internationalen Jury, maßgeblich geprägt. Auch hier erwies es sich als wesentlich, dass Herr Wagler als Ausdruck seiner weithin anerkannten künstlerischen Leistungen sehr gute Verbindungen zu international bekannten Organisten und Orgeldozenten hatte, was letztlich zum beachtlichen Zuspruch junger Organisten aller Kontinente zu diesem Wettbewerb geführt hat. Preisträger des Freiberger Silbermann-Wettbewerbs zu sein, zählt etwas in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit. Der Umgang mit der historischen Orgel und speziell der Silbermannorgeln stellt besondere Ansprüche an den Organisten im Hinblick auf Spieltechnik und Gestaltung. Dieser Anspruch, der hohe Ausbildungsstand der Wettbewerber und die bisherigen Ergebnisse werden deshalb im internationalen Maßstab als sehr gut bewertet. Das führt auch dazu, dass die Jury des Wettbewerbs sich ebenfalls aus international anerkannten Organisten und Dozenten bedeutender Hochschulen zusammensetzt. Waglers internationale Kontakte führten u.a.1999 zur Einladung durch die „Europäische Vereinigung der Städte mit historischen Orgeln (ECHO)“ nach Innsbruck, in deren Folge die Stadt Freiberg als deutsche Vertretung 2002 aufgenommen wurde. Dietrich Wagler ist künstlerischer Leiter der Freiberger Vertretung und soll z.B. als Juror des Grand Prix d’ECHO 2011 tätig werden, der Finalisten der internationalen Wettbewerbe in Alkmaar, Innsbruck und Freiberg vereinen wird. Freiberg ist ein Aktivposten des „ECHO“ und wird auch international als ein Orgelzentrum wahrgenommen. Das 2007 in Freiberg stattgefundene 82. Deutsche Bachfest der Neuen Bachgesellschaft gehörte ebenfalls zu den Kulturhöhepunkten der Stadt mit weit über deren Grenzen hinaus reichender Ausstrahlungskraft. Auch hier hat Dietrich Wagler in Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger, Domkantor Skobowsky spürbar zur Konzeption und zum Gelingen des Musikfestes beigetragen. Die Förderung der Kirchenmusik ist ihm besonderes Anliegen. Mit der Gründung des Kulturraumes Mittelsachsen übernahm er ehrenamtlich die Leitung und Profilierung der Sparte Kirchenmusik. Entsprechend der jüngeren landespolitischen Entwicklung beförderte er die neue Kooperation mit dem Musikfest Erzgebirge. Aus gesundheitlichen Gründen hat er seine Tätigkeit als Präsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft zum Jahresende 2009 niedergelegt, sein persönliches Engagement ist jedoch damit nicht erloschen. Herr Wagler kann auf 10 CD-Einspielungen von Orgelmusiken bevorzugt auf Silbermann-Orgeln verweisen (verschiedene Firmen): - 1990: in der Reihe „Great European Organs“ - 1992: „Eine Abendmusik an der großen Silbermannorgel im Dom zu Freiberg“ - 1994: Sächsische Orgelmusik des 18. und 19. Jahrhunderts - 1995: Weihnachtliche Orgelmusik aus dem Dom zu Freiberg - 1998: Die beiden Silbermannorgeln im Dom zu Freiberg - 2000 (Bachjahr): Die Silbermann-Orgeln und die Glocken des Freiberger Doms - 2001. Nun freut euch, lieben Christen g’mein (Improvisationen) - 2002/03: Die Orgeln Gottfried Silbermanns (Gesamteinspielung: Folge 7) - 2003/04: Novalis Aphorismen und Improvisationen (mit Bachmann, Grötzschel, Greiner) - 2005: Zacharias-Hildebrand-Orgel in Langhennersdorf Diese Einspielungen haben nicht schlechthin dem Ansehen des Organisten gedient, sondern nachhaltig zur Festigung des Images Freibergs als sächsisches Silbermann- und Orgelzentrum beigetragen. Nicht von ungefähr produzierte das ZDF 1996 in Freiberg die Sendung „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich – eine erzgebirgische Weihnacht mit dem Bundespräsidenten“. Schließlich soll noch auf Herrn Waglers musikpädagogische Tätigkeit hingewiesen werden, die das Bild von seiner Person erst vollständig macht. Von 1982 bis 1985 unterrichtete er an der Kirchenmusikschule Halle die Fächer Improvisation und künstlerisches Orgelspiel. Seit 1986 war er Dozent für Improvisation und künstlerisches Orgelspiel an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden und ist auch heute noch an ihr tätig. Zu seinem Schülerkreis gehörten zeitweilig u.a. auch der Freiberger David Franke, heute Organist an der Zacharias-Hildebrandt-Orgel in Naumburg und Stephan Leuthold, der 1. Preisträger des Silbermann-Wettbewerbs 1997. Freiberg ist ohne jeden Zweifel weithin bekannt und für Musikinteressierte äußerst attraktiv wegen seiner herausragenden Pflege der Silbermannschen Traditionen im weitesten Sinne. Dazu zählt das intensive Konzertleben, der Silbermann-Wettbewerb, die Generation von Musikmedien der verschiedensten Art, die Förderung des Nachwuchses, das Wirken in internationalen Vereinigungen u.a.m. Dass Freiberg hohe Anerkennung als ein Orgel-Zentrum nicht nur des sächsischen Raumes genießt, verdankt die Stadt in hohem Maße dem langjährigen, engagierten und erfolgreichen Wirken Dietrich Waglers. Eine Würdigung der Verdienste Herrn Waglers um das kulturelle Ansehen der Stadt Freiberg mit der neu gestifteten Ehrenmedaille erscheint aus dieser Sicht auch ehrenvoll für die Stadt selbst zu sein und würde Freiberg als ein bedeutsames Kulturzentrum nicht nur innerhalb Sachsens herausheben. Zusatzbemerkung: Zur Beratung des Kulturausschusses über die Kandidaten für den Bürgerpreis 2010 am 14.10.10 lag diesem auch ein Antrag für Herrn Wagler vor. Nach ausgiebiger Diskussion waren sich die Mitglieder des KA einig, dass eine Verleihung eines Bürgerpreises für ehrenamtliche Tätigkeit der herausragenden Gesamtleistung Herrn Waglers für die Stadt viel zu wenig gerecht wird. In Kenntnis der Vorbereitungen für eine neue Form der Auszeichnung, der Ehrenmedaille der Stadt, wurde daher einmütig dafür votiert, Herrn Wagler diese Ehrung zuzuerkennen (siehe auch Empfehlungen 10-10 des Kulturausschusses). In der gemeinsamen Beratung des Kulturausschusses und des Bildungs- und Sozialausschusses wurde diese Auffassung bekräftigt.

Der Antrag mündete in die Vorlage

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