Über die Redlichkeit von Argumenten

Natürlich ist es in einer Demokratie jedem unbenommen, gegen irgendetwas zu sein und seine Ablehnung auch öffentlich zu artikulieren. Freilich sollte man sich dabei auf sinnvolle Argumente beschränken. Im Falle der Freiberger Umgehungsstraße ist das beispielsweise der Einwand Herrn Thümmlers, dass bei Entwidmung der Bundesstraßenabschnitte im Stadtgebiet Freibergs Mehraufwand für die Straßenunterunterhaltung durch die Stadt Freiberg entstünde. Dieser Einwand kann aber ohne Weiteres abgewogen werden, wie das ja schon in der Stellungnahme des Baubürgermeisters geschah. Im Übrigen hat Herr Thümmler damit nur auf einen natürlich ohnehin wohlbekannten Sachverhalt hingewiesen. Herr Thümmler und die Mitglieder der "Pro Wald"-Bewegung behaupten jedoch auch, dass die Einwohner Freibergs durch die Umgehungsstraße vom Erholungsgebiet "Wald" abgeschnitten würden bzw. ihnen dadurch der Zugang erheblich erschwert sei. Als Beleg dafür dient die folgende Skizze (Freie Presse 12.02.2011):

Wie steht es um die Seriosität dieser Behauptung? Wer mit den Freiberger Verhältnissen einigermaßen vertraut ist, hegt da von vornherein erhebliche Zweifel. Wären die offiziellen Zugangsmöglichkeiten zum Hospital- bzw. Stadtwald nach Errichtung der geplanten Ortsumgehung tatsächlich erheblich verschlechtert? Diese Frage lässt sich am besten anhand einer realistischeren Darstellung beantworten ( Trasse der Umgehungsstraße nach www.freiberg.de ):

Auf der rot eingezeichneten Trasse der Umgehungsstraße entspricht der westliche Abschnitt 1-8 dem vermeintlichen "Sperrgürtel" gemäß der Darstellung von "Pro Wald". Längs der Teilstrecke 1-2 läge überhaupt kein Wald. Mithin braucht sie nicht weiter betrachtet zu werden. Durch den Teilabschnitt 2-3 würde ein Waldzipfel abgetrennt. Hier existiert allerdings eine (inoffizielle) Zugangsmöglichkeit. Da im Punkt 3 die Querung "Verlängerte Clausallee" gegeben wäre, bestünde der Nachteil in einer unerheblichen Wegverlängerung. Im Bereich 3-4 schmiegte sich die Ortsumgehung der bestehenden Fernbahntrasse an, d.h. eine Verschlechterung gegenüber dem vorhandenen Zustand würde nicht eintreten, weil man die Gleise ohnehin auch jetzt nicht quert. Natürlich könnte der gesamte östliche Teil des Hospitalwalds in diesem Gebiet wie bisher betreten werden. Im folgenden Teilabschnitt 4-5 wäre auch künftig die Querung der Umgehungstrasse entlang der Kleinschirmaer Straße möglich (sie ist im "Pro-Wald"-Schema nicht angegeben). Im Punkt 5 befände sich sich der Knoten Ortsumgehung/frühere B173. Hier entfiele mit dem Ölmühlenweg tatsächlich eine offizielle Zugangsmöglichkeit. Das hätte aber auch nur eine unwesentliche Wegverlängerung zur Querung "Hubertusweg" (Punkt 6) zur Folge. Im Bereich 6-8 schließlich gibt es mit dem Forstweg die wichtigste Zugangsmöglichkeit überhaupt. Sie bliebe natürlich mit der Querung im Punkt 7 (Brücke über die im Einschnitt verlaufende Umgehung) erhalten. In Summe muss man feststellen, dass eine offizielle Zugangsmöglichkeit wegfiele. Die beschworenen Nachteile reduzieren sich allerdings auf zwei unerhebliche Wegeverlängerungen. Es ist eine Zumutung, diese "Nachteile" Innenstadtbewohnern als ernsthaftes Argument vorzusetzen, deren Lebensqualität durch das Fehlen der Umgehungsstraße besonders beeinträchtigt ist. Die "Beweisskizze" ist bildhafter Ausdruck für ein unredliches Argument.